Verlorene Freude und wie man sie wiederfindet

Schmetterlinge tanzen über eine Wiese als Ausdruck von Freude, blau-graues Aquarell

🕐 Lesezeit: ca. 6 Minuten

Was ist Freude eigentlich? Und wie merkt man es, wenn sie fort ist?

Im Alltag befinden wir uns oft in einem Hamsterrad. Aufstehen, zur Arbeit gehen, einkaufen, ein wenig Freizeit, Familie und Freunde dazwischen, und dann wieder alles von vorn. Zeit für sich selbst, Hobbys oder gar die echte Berufung? Existiert nicht mehr oder nur dann, wenn es gerade mal passt.

Manchmal bemerkt man vielleicht gar nicht, dass einem die Freude fehlt. Alles scheint gut (oder wenigstens erträglich), man hat ein Einkommen, ist mehr oder weniger gesund und kann vielleicht sogar mal in den Urlaub fahren.

Reicht das nicht?

Nein. Natürlich nicht. Und es ist gewiss nicht egoistisch, sich Freude im Leben zu wünschen.

Was ist Freude?

Wie oft stehen wir morgens auf und starten bereits genervt in den Tag? Oder haben Schwierigkeiten, abends wieder runterzukommen und zu entspannen? Wie oft sind wir zufrieden mit uns selbst?

Freude ist nicht zu verwechseln mit Ablenkung. Wie sehr freuen wir uns wirklich auf ein Konzert oder einen Kinofilm? Oder das Wochenende? Weil es es uns in unserem Innersten erfüllt – oder nur, weil es uns eine Ablenkung vom Alltag beschert? In letzterem Fall ist es keine echte Freude. Dann ist es Kompensation.

Freude entsteht auch nicht durch die Bestätigung anderer. Wenn wir uns über ein belangloses "Like" auf Instagram oder Facebook mehr freuen als über echten Kontakt und Austausch, dann ist das keine Freude. Dann ist das Konditionierung.

Freude bedeutet Sinnhaftigkeit. Wenn wir morgens nur deshalb aufstehen, weil wir zur Arbeit müssen, dann fehlt etwas Essenzielles: der Sinn, wofür wir das tun. Solange wir einen Sinn in unserem Tun und Handeln sehen, leben wir für etwas, das uns Freude bereitet. Ohne diesen Sinn verlieren wir den wichtigsten Teil von uns selbst.

Freude ist ein tief empfundenes Gefühl, das grundlegend für unser Leben sein sollte. Das nicht punktuell auftritt, wenn wir eine "Pause vom Leben" brauchen. Freude sollte uns begleiten, wenn wir morgens aufstehen und abends ins Bett gehen. Freude ist die Basis für Begeisterung. Begeisterung kann spontan auftreten oder auf ein bestimmtes Thema konzentriert sein. Wir brennen innerlich darauf, uns mit etwas Bestimmten zu beschäftigen oder ein Projekt umzusetzen. Nicht weil wir Erfolg oder Bestätigung suchen, sondern weil wir im Einklang mit uns selbst sind und das das tun, was uns Freude bereitet.

Was passiert, wenn die Freude fort ist?

Wir bemerken es oft lange nicht, wenn uns dieser wichtige Teil von uns selbst fehlt. Ein Mangel an Freude bedeutet nicht gleich Depression. Er kann auf lange Sicht aber dazu führen. Die einen werden gleichgültig, andere traurig, oft ohne zu wissen, warum. Und irgendwann folgt tiefe und meist stumme Verzweiflung.

Ein Mangel an Freude kann entstehen, wenn wir immer wieder enttäuscht werden. Wenn uns Fehlschläge ständig zurückwerfen. Wenn wir unsere Hoffnungen an etwas klammern, das uns im Innersten nicht entspricht. Wenn wir etwas tun, das nicht im Einklang mit unserem Selbst steht. 

Manchmal verlieren wir die Frede, wenn wir enttäuscht werden. Weil unsere Erwartungen nicht erfüllt werden. Ent-Täuschung – das bedeutet: eine Täuschung aufdecken. Das kann in schweren Fällen sogar das Weltbild ins Wanken bringen und uns aus der Bahn werfen.

Der Verlust der Freude ist ein schleichender Prozess. Das ist das perfide daran.

Aquarell einer Ozeanwelle

So war es bei mir

Bei mir hat sich der Prozess über mehrere Jahre hingezogen. Für mich war das Schreiben immer eine Berufung. Das Ziel war das veröffentlichte Buch (und damit auch der Erfolg). Meine Wochenenden und Urlaube habe ich mit Begeisterung genutzt, um zu schreiben oder das nächste Buch zu planen.

Und weil mir meinen Brotberuf immer mehr Freude und Energie entzog, habe ich ihn schließlich (nach vielen Jahren des Kämpfens) hingeworfen und mich ganz auf meine Bücher konzentriert.

Ich dachte, ab jetzt kann es nur besser werden. Ich gehe schließlich meiner Berufung nach! Aber dann kam die Ernüchterung. Das Problem waren nicht die Bücher – es war der andauernde Kampf, als Autorin sichtbar zu werden. Die Arena war Social Media. Besonders Instagram.

Mir hat es, genau wie damals mein Job, die Freude geraubt. Anfangs habe ich Instagram gern genutzt, weil es mir Spaß machte, Bilder zu erstellen und über meine Bücher zu sprechen. Aber Social Media ist kein Platz für Entfaltung und Tiefe, sondern ein Ort der Selbstdarstellung – und bitte Algorithmus-konform. Jegliche Abweichung davon wird mit Reichweitenentzug bestraft.

Klingt krass? Totalitär? Ist aber genau so.

Für mich war und ist Social Media in seiner jetzigen Form ein Feld, das in absoluter Dissonanz zu meinem Selbst steht. Darum nutze ich es nur noch sehr sparsam. Um mich selbst zu schützen. Viele Hochsensible werden das sehr gut nachempfinden können.

Auf der Strecke blieb das Wesentliche – meine Freude am Schreiben und am Welten-Entwerfen.

Und irgendwann war sie ganz weg. Lange habe ich das nicht bemerkt – oder wollte es nicht wahrhaben. Zurück blieben Traurigkeit und Enttäuschung. Erst der jahrelange Kampf, genug Zeit zum Schreiben aufzubringen, dann der Kampf, sichtbar zu werden und die Miete bezahlen zu können. All das, ohne auch nur einen echten Schritt vorwärts zu kommen.

Vielleicht hast du es ähnlich erlebt, mit anderen Themen.

An eine Sache glaube ich weiterhin: Wenn man seine Berufung lebt, dann wird man auch Erfolg damit haben. Und darum suche ich die Freude nicht mehr in einem Erfolg als Autorin, sondern richte mich darauf aus, was mir wirklich entspricht: Menschen auf ihrem Weg helfen. Den Tag genießen. Mysterien erforschen. Meine Hellsinne entdecken. Phantasie und Kreativität zum Ausdruck bringen, ohne den Glaubenssatz, sie mit der Welt teilen zu müssen oder einen Bestseller zu landen.

Aber wie bekommt man die Freude zurück?

Das ist vermutlich die Frage, die viele umtreibt. Denn wenn man so lange mit derart tiefen Enttäuschungen gelebt hat, dass Freude und Begeisterung für immer verloren scheinen, dann fühlen sich pauschale Tipps wie Achtsamkeitsübungen, Dankbarkeitsmeditationen, positives Denken und Affirmationen an wie der blanke Hohn – besonders dann, wenn es einem gerade richtig beschissen geht. Weichspül-Esoterik, Lifestyle-Coaching und Mainstream-Psychologie helfen da wenig. Vor allem, wenn man die Ursachen längst kennt, und nicht nur Symptome behandeln will.

Die folgenden Punkte habe ich mir zur Aufgabe gemacht – und vielleicht helfen sie auch dir dabei, auf die Suche nach deiner verlorenen Freude zu gehen:

  • Aufmerksamkeit steigern: kleine Dinge mehr schätzen lernen und den Moment genießen – ohne Erwartungsdruck und To-Do-Liste

  • Sich überraschen lassen: anerkennen, wenn man eine positive Überraschung erhält, und sei sie noch so klein, und diese wertschätzen (z.B. Wenn die Nachbarin ein Kuchenstück vorbeibringt oder der Postbote früher kommt als erwartet). Danke sagen nicht vergessen.

  • Negative Überraschungen: nicht emotional reinsteigern (das ist der ultimative Freude-Killer), aber akzeptieren, dass es gerade scheiße ist –d.h. ohne es zu leugnen, schönzureden oder zu verdrängen

  • Reflektieren: Ist die Freude aufgrund der zahlreichen Enttäuschungen verloren gegangen oder hat das, woran man früher Freude und Begeisterung empfand, vielleicht gar keine wahre Bedeutung mehr? 

    • Fall 1 –  Enttäuschungen haben die Freude verschüttet: Ziele prüfen! Was will ich erreichen und warum? Dann: Erwartungen zurückschrauben, auch wenn es schwerfällt. Außerdem: nicht verbissen daran festhalten, wenn es nur weitere Enttäuschungen und Anstrengungen bringt – denn dann gilt Fall 2

    • Fall 2 – Das Ziel selbst entspricht dir nicht mehr:  Loslassen, auch wenn es noch so weh tut. Sich das immer wieder bewusst machen (und nicht in alte Muster zurückfallen, denn das führt zu Verbissenheit, aber niemals zu Freude). Und dann: Offen sein für Neues.

Für mich gilt Fall 2: Loslassen. Und diese Phase ist sehr schwer, besonders wenn man wie ich Jahrzehnte darauf hingearbeitet hat, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.  

Aber ich habe inzwischen etwas Neues gefunden, das mir Freude macht. Okay, ein Teil von mir möchte noch immer Fantasy-Welten erschaffen, aber tatsächlich messe ich dem kaum noch Bedeutung bei. Stattdessen frage ich mich, was ich in unserer Welt zum Besseren verändern kann, und sei es noch so gering.

stilisierter Phönix, leicht surrealistisch

Erkenntnis

Unsere Welt ist viel größer, als wir glauben, und wir sind mächtiger, als wir uns zugestehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass derzeit ein Paradigmenwechsel im Bewusstsein der Menschheit stattfindet. Der Materialismus – und mit ihm Konsum, Wettbewerb, Einheitsdenken, Konformitätsdruck und Abgabe von Verantwortung – hat ausgedient. Eigenverantwortung, Individualität und Füreinander gewinnen an Bedeutung und mit ihnen das Erkennen, dass mehr zwischen Himmel und Erde existiert, als die Schulweisheit uns glauben machen will (frei nach Shakespeare ツ). 

Sogar viele Wissenschaftler erkennen das inzwischen. (Hier findest du einen Beitrag dazu: 12 Pioniere der Grenzwissenschaft und wie sie unser Weltbild verändern)

Darum habe ich mein Angebot des "Magischen Dialogs" (ins Leben gerufen. Um Menschen eine Möglichkeit zu bieten, sich auszusprechen in einer Welt, die in vielen Teilen noch nicht bereit für eine neue Wahrheit ist. Eine Welt, die noch in alten Konventionen und Strukturen denkt, während einzelne Menschen längst aus dem System ausbrechen wollen, aber noch nicht den Mut dazu gefunden haben. Die ihre Freude und ihre innere Stimme – die ihnen verrät, worin ihre wahre Freude liegt – wiederfinden wollen.

Es heißt immer, aufgeben sei keine Option. Doch manche Kämpfe sind das Opfer nicht wert. Manchmal ist aufgeben die einzige Option – und zwar dann, wenn man Dinge loslässt, die einem nicht mehr entsprechen. 

Du gibst nicht auf, weil du gescheitert bist, sondern weil du das Ziel neu definierst. Dann kehrt auch die Freude zurück.


Hinweis zu den Abbildungen: Die verwendeten Bilder sind mit KI erstellt (Midjourney AI), sofern am Bild nicht explizit anders gekennzeichnet.


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