Astralreisen: Wenn du plötzlich außerhalb vom Körper bist

schwebende Silhouette eines Menschen löst sich in goldenen Lichtpunkten auf

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Stell dir vor, du wachst mitten in der Nacht auf – und schwebst an der Decke. Dein Körper liegt reglos im Bett und trotzdem bist du wach. Du siehst dich selbst von oben. Die Konturen deines Schlafzimmers, die Deckenlampe, den Kleiderschrank, das zerwühlte Bettzeug – alles wirkt klarer als sonst, so wirklich, dass es fast wieder unwirklich scheint. Und kaum wirst du dir bewusst, was gerade passiert, reißt dich ein unsichtbares Band zurück, und du steckst wieder im Körper.

Was war das? Ein Traum? Eine Halluzination? Oder etwas ganz anderes?

Die Wissenschaft hat eine Antwort. Die meisten spirituellen Traditionen der Welt haben eine andere. Und dann gibt es noch die Menschen, die es erlebt haben und ihre eigenen Antworten formulieren.

1. Dein Bewusstsein ist nicht dein Körper

Bei einer außerkörperlichen Erfahrung – kurz AKE, im englischen Sprachraum OBE (Out-of-Body Experience) – verlässt das Bewusstsein den physischen Körper und nimmt ihn von außen wahr. Es ist weder ein Traum noch Halluzination, sondern ein Zustand erhöhter Wachheit, der sich realer anfühlen kann als unser Alltagsbewusstsein. Dein Körper ist reglos, aber dein Bewusstsein ist nicht mehr an ihn gebunden, sondern kann sich frei bewegen.

Wer eine AKE erlebt, beschreibt fast immer das Gleiche: ein intensives Vibrieren oder Brummen kurz vor dem Austritt, ein Fallgefühl oder plötzliches Aufschrecken, das Gefühl, sich vom eigenen Körper zu lösen, als würde man aus einem zu engen Kleidungsstück schlüpfen. Manche vergleichen es sogar mit dem Sterben, denn das Loslösen kann von einem starken Gefühl der Angst begleitet sein, vor allem, wenn man es zum ersten Mal erlebt und nicht weiß, was geschieht. Der Verstand signalisiert Gefahr.

Aber wer diesen Punkt überwindet, den erwartet eine ungeahnte Freiheit – und eine neue Form der Wahrnehmung.

Eine AKE ist nicht begrenzt auf die physische Umgebung. Nicht umsonst wird sie auch Astralreise genannt. Denn dein Astralkörper ist feinstofflich. Du kannst damit durch Wände gehen, sogar fliegen, und das alles mit der Kraft deines Willens. Besuche beim Nachbarn, den Verwandten, in einer anderen Stadt – all das ist möglich. Und noch viel mehr.

Erfahrene Astralreisende berichten von anderen Orten und Ebenen. Von fremden Planeten und unbekannten Wesenheiten, mit denen sie Gespräche führten. Oder Verstorbene, die sie besuchen konnten.

Zeit und Raum funktionieren nicht wie in unserer physischen Umgebung. Wer an einen bestimmten Ort gelangen will, konzentriert sich darauf – und ist dann einfach da.

Ein klassisches Bild, das in vielen Berichten auftaucht, ist das der Silberschnur, ein unsichtbares Band, das den feinstofflichen mit dem physischen Körper verbindet. Die einen sehen es, die anderen nicht.

Eine Astralreise ist mehr als ein Traum, und wer aktiv und bewusst den Körper verlässt, der kann später Details seiner außerkörperlichen Wahrnehmung verifizieren – zum Beispiel, was eine andere Person im Haushalt zu einem bestimmten Zeitpunkt gemacht hat.

Eine solche Erfahrung kann das bisherige Weltbild auf den Kopf stellen, ebenso die eigene Einstellung zu Leben und Tod.

Und was bedeutet das für unsere Vorstellung von Realität?

2. Außerkörperliche Erfahrungen sind kein New-Age-Phänomen

Astralreisen tauchen in den ältesten Überlieferungen der Menschheit auf.

Die alten Ägypter kannten verschiedene feinstoffliche Körper, darunter den Ba  – dargestellt als vogelähnliches Wesen mit Menschenkopf –, der den Körper verlassen und zwischen der Welt der Lebenden und dem Jenseits reisen konnte.

Im tibetischen Buddhismus gibt es das sogenannte Traumyoga, eine meditative Praxis, die gezielt auf das Aufrechterhalten des Bewusstseins im Schlaf abzielt. Auch im Kundalini-Yoga, einer der intensivsten Yoga-Praktiken, wird häufig von außerkörperlichen Erfahrungen berichtet.

Schamanische Traditionen weltweit kennen das Konzept der Seelenreise als zentrales Element ritueller Heilarbeit. In der westlichen Welt ist vor allem die Arbeit mit Ayahuasca bekannt geworden, einem Trank aus dem Amazonasgebiet, hergestellt aus einer Liane und DMT-haltigen Pflanzen.

Der schwedische Theologe und Mystiker Emanuel Swedenborg reiste im 18. Jahrhundert in andere Welten und beschrieb das Leben im Himmel. Für die Kirche seiner Zeit war das Ketzerei. Aus heutiger Sicht klingen seine Berichte wie Beschreibungen klassischer AKE-Zustände.

Der US-amerikanische Autor Sylvan Muldoon begann Anfang des 20. Jahrhunderts, diese Erfahrungen zu systematisieren. Durch das gemeinsam mit dem Parapsychologen Hereward Carrington veröffentlichte Buch The Projection of the Astral Body (1929) trug er dazu bei, das Phänomen bekannt zu machen.

Ähnliche Berichte und Erfahrungen über Kulturen und Jahrhunderte hinweg – sind das nicht zu viele, um sie als kollektive Einbildung abzutun?

Astralebene aus Weltraum-Nebel und Sternen

3. Robert Monroe und der Gateway Process

Als moderner Pionier der AKE-Forschung gilt der Elektrotechniker und Rundfunk-Programmdirektor Robert Monroe (1915 - 1995). Ende der 1950er Jahre traten bei ihm spontane außerkörperliche Erfahrungen auf. Was ihn anfangs zutiefst verstörte, begann er schließlich systematisch zu erforschen. 1971 veröffentlichte er Journeys Out of the Body, das Buch, das den Begriff "Out-of-Body Experience" populär machte.

Was er in seinen Reisen beschrieb, war weit mehr als ein schwebendes Ich über dem Bett. Monroe kartografierte ganze Bewusstseinsebenen (er nannte sie Fokus-Stufen) und berichtete von Begegnungen mit Entitäten und Verstorbenen, darunter auch seine eigene verstorbene Frau.

Monroe gründete in den 1970er Jahren das Monroe Institut in Virginia und entwickelte dort Hemi-Sync, eine Audiotechnologie, die auf binauralen Beats basiert und die Gehirnwellen beider Hemisphären synchronisieren soll. Ziel von Hemi-Sync ist es, veränderte Bewusstseinszustände herbeizuführen und zu trainieren, darunter AKE. Bis heute können sich Interessenten für lokale und digitale Kurse anmelden.

3.1 Die CIA hört zu

2003 wurde der geheime CIA-Bericht Analysis and Assessment of the Gateway Process ⤤ deklassifiziert – ein 29-seitiger Bericht über Monroes Methoden aus dem Jahr 1983.

Das Ziel der CIA: herausfinden, ob sich das Bewusstsein mit Hemi-Sync und dem von Monroe entwickelten Trainingsprogramm "Gateway Process" tatsächlich aus der physischen Realität lösen lässt – für nachrichtendienstliche Zwecke. 

Ergebnis: Der Gateway Prozess von Monroe sei plausibel genug, um bei weiterer Forschung praktische Anwendung für den Geheimdienst haben zu können.

Es war nicht die erste und wird vermutlich auch nicht die letzte Involvierung eines Geheimdienstes in parapsychologische Studien gewesen sein.

3.2 Weitere Forschungen

Im Umfeld Monroes etablierten sich weitere wichtige Stimmen. William Buhlman ⤤ entwickelte seine Methoden pragmatisch weiter und gehört heute zu den bekanntesten Praktikern im englischsprachigen Raum. 

Ingo Swann (1933 - 2013) war eine Schlüsselfigur an der Schnittstelle von AKE und Remote Viewing (Fernwahrnehmung). Er arbeitete sowohl mit dem Monroe Institut als auch direkt bei Project Stargate, ein streng geheimes CIA-Programm zur Erforschung von Fernwahrnehmung (1970 - 1995).

Der deutsche Künstler Jürgen Ziewe hat über Jahrzehnte ausgedehnte Reisen in andere Bewusstseinsebenen gemacht und als Bildender Künstler seine Erfahrungen in Videokunst und digitalen Werken festgehalten. (Beispiele  seiner Arbeit auf seinem YouTube-Kanal ⤤)

4. Wann verlässt das Bewusstsein den Körper?

Spontane außerkörperliche Erfahrungen passieren meist beim Übergang vom Wachsein zum Einschlafen, wenn der Körper bereits ruht, das Bewusstsein aber noch aktiv ist (hypnagoger Zustand).

Tiefe Meditation, Fieber, extreme Erschöpfung, intensive Yoga-Praktiken oder Kundalini-Erfahrungen können denselben Zustand hervorrufen. Bei manchen Menschen treten AKE spontan und wiederholt auf, bei anderen nur einmalig oder nie.

Eine Astralreise bewusst hervorzurufen, erfordert viel Übung. Manchen gelingt es schnell, anderen nicht – oder sie geben zu schnell auf. Einige Menschen haben vielleicht ein natürliches Talent dafür, während andere sich unendlich schwer tun. Viele, die eine AKE erleben, verweilen in ihrer gewohnten physischen Umgebung, anstatt in andere Welten zu reisen. Doch die meisten berichten, dass es eine lebensverändernde Erfahrung für sie war.

Halbtransparenter menschlicher Körper schwebt mit ausgebreiteten Armen durch leeren Raum und zieht goldene Lichtpunkte und blaue Leuchtfäden hinter sich her

5. AKE, luzides Träumen, Nahtoderfahrung und die Wissenschaft

Klarträume treten meist währen der REM-Schlafaphase auf. Beim luziden Träumen weiß man, dass man träumt und kann den Traum bewusst steuern.

Bei einer AKE ist sich der Astralreisende seiner Trennung vom Körper bewusst und erfährt eigenständige, von einer internen "Traumwelt" unabhängige Realitäten.

Nahtoderfahrungen teilen viele Elemente mit Astralreisen, entstehen aber unter medizinischen Extrembedingungen, meist bei Herz- und Atemstillstand, selbst in Fällen, bei denen das Gehhirn keine Aktivität mehr zeigt. 

Die Wissenschaft erklärt außerkörperliche Erfahrungen primär durch eine Fehlfunktion oder fehlerhafte Integration von Sinnesdaten im Gehirn – eine kognitive Illusion, bei der das Gehirn die Selbstwahrnehmung vom physischen Körper entkoppelt. Das Ich kann dann scheinbar den Körper verlassen.

Was die Neurologie nicht beantworten kann:  Ob das, was das Bewusstsein in diesen Momenten erlebt, nur eine Illusion des Gehirns ist oder ob es auch außerhalb des physischen Körpers existiert – vielleicht in anderen Dimensionen oder Daseinsebenen. Ganz zu schweigen von der Kernfrage, was Bewusstsein überhaupt ist. Und vor allem dieser letzte Punkt macht es schwer bis unmöglich, außerkörperliche Erfahrungen unter Laborbedingungen nachzuweisen.

6. Wie kann man eine außerkörperliche Erfahrung herbeiführen?

Für alle, die nicht spontan aus dem Körper schweben, gibt es verschiedene Methoden. Ich stelle lediglich eine Übersicht vor. Wer es selbst ausprobieren möchte, findet im Netz oder in Büchern detaillierte Anleitungen für die Methoden.

  1. Über einen Klartraum

    Man trainiert, sich im Traum bewusst zu werden, und nutzt diesen Zustand gezielt, um den Körper zu verlassen oder eine AKE einzuleiten.

  2. Wake-Back-to-Bed-Methode (WBTB)

    Man schläft ein, wacht nach einigen Stunden auf (Wecker stellen), bleibt kurz wach und legt sich wieder hin, um direkt in einen bewusst erlebten Traum- oder AKE-Zustand zu gleiten.

  3. Hypnagoger Zustand

    Man bleibt beim Einschlafen mental wach und beobachtet die auftretenden Bilder und Empfindungen, bis sich ein Gefühl des Loslösens einstellt.

  4. Vibrationsmethode

    Man konzentriert sich auf das Vibrationsgefühl im Körper während tiefer Entspannung und versucht, dieses in eine Trennung vom physischen Körper zu überführen.

  5. Visualisierungstechniken

    Man stellt sich intensiv vor, aufzustehen, zu schweben oder sich aus dem Körper herauszurollen, bis das Gehirn diese Vorstellung als reale Erfahrung verarbeitet.

  6. Meditation und tiefe Entspannung

    Durch längere meditative Zustände wird der Körper ruhig und der Geist wach gehalten, was den Übergang in eine AKE erleichtern kann.

  7. Monroe-Techniken

    Tiefe Entspannung bis zur Schlafgrenze, gefolgt von visualisierten Bewegungen oder Vibrationen, unterstützt durch Hemi-Sync-Aufnahmen.

Viele beschreiben ein starkes Vibrieren und Brummen kurz vor dem Austritt. Es ist zugleich der Moment, wo viele scheitern, denn sie bekommen zu diesem Zeitpunkt Angst und schrecken auf. Die Kunst ist, ruhig und entspannt zu bleiben, denn der Austritt steht vielleicht nur einen Atemzug entfernt bevor.

Danach kommt es zu ganz unterschiedlichen Erfahrungen. Die einen bleiben zunächst in der gewohnten physischen Umgebung, andere berichten von sofortigem Übergang in andere Räume, Orte oder Realitätsebenen. 

eine außerirdische Welt mit blauen Pflanzen und drei Monden

6.1. Meine Erfahrung

Ich wäre sehr gerne Expertin im Astralreisen, aber ich muss ehrlich zugeben – ich habe nicht das Durchhaltevermögen, um es konsequent zu üben. Als Kind hatte ich außerkörperliche Erfahrungen, aber sie blieben, soweit ich mich erinnere, innerhalb meiner physischen Umgebung. Was ich nicht vergesse, ist das Gefühl, außerhalb des Körpers zu sein.

Etwas in mir erinnert sich sehr genau an diese Losgelöstheit, das Schweben, die fast transparente Umgebung, eine Klarheit jenseits meiner fünf Sinne. Darum kann ich mir Astralreisen auch so gut vorstellen. Manche glauben, dass wir im Schlaf immer auf Reisen gehen. Wir erinnern uns nur nicht mehr daran – nur an diesen diffusen, merkwürdigen Traum …

Und ich kann bestätigen, dass mich die meisten Träume in seltsame Welten führen, die ich mir im Traum nicht ausdenken könnte (pun intended).

In meinem Erwachsenenleben hatte ich mindestens einmal eine Beinahe-AKE, aber diese ist so schräg, dass ich immer noch versuche, das Erlebte einzuordnen. Darum möchte ich an dieser Stelle auch nicht weiter darauf eingehen. Nur so viel, dass sie auch eine andere Wesenheit mit einschloss.

Vielleicht erzähle ich die Geschichte, wenn ich irgendwann mehr Klarheit darüber habe – sei es durch weitere Erlebnisse oder neue Erkenntnisse.

7. Fazit und Meinung

Außerkörperliche Erfahrungen sind eines dieser Phänomene, die sich hartnäckig weigern, vollständig erklärt zu werden. Es gibt zu viele Berichte aus unterschiedlichen Kulturen und Jahrhunderten, um sie als neuronale Fehlfunktion abzuhaken. Unsere moderne Zeit erlaubt es den Menschen, frei über ihre Erlebnisse zu berichten und sich auszutauschen, ohne Angst, deswegen auf dem Scheiterhaufen zu landen. Aber es bleibt ein subjektives Phänomen – und das Stigma, als verrückt abgestempelt zu werden, ist weiterhin groß. Und so beschränkt sich der Kreis der Fürsprecher auf diejenigen, die offen genug sind zuzuhören oder eigene Erfahrungen hatten.

Nicht vergessen sollte man zudem das Interesse der CIA, die gemeinhin nicht für ihre Investitionen in Einschlafstörungen bekannt ist. ツ

Für mich ist das Bewusstsein nicht an Materie gebunden. Ich sehe den Körper als eine Wohnung auf Zeit oder ein Fahrzeug, das uns innerhalb der physischen Realität von Ort zu Ort befördert. Für das Außerhalb davon ist das Bewusstsein zuständig.

Dass nicht die gesamte Wissenschaft bei der Frage nach dem Bewusstsein auf die Materie fixiert ist, beweisen zahlreiche Forscher, die es wagen, neue Wege zu beschreiten, weitere Studien anzustoßen und andere Fragen zu stellen.

Die Frage ist für mich daher nicht, ob mein Bewusstsein den Köper verlassen kann, sondern wer ich bin, wenn es woanders ist.



Hinweis zu den Abbildungen: Die verwendeten Bilder sind mit KI erstellt (Midjourney AI), sofern am Bild nicht explizit anders gekennzeichnet.


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