Verlorene Zivilisationen: Sind wir nicht die erste Hochkultur auf dem Planeten?

Eine riesige Flutwelle

🕐 Lesezeit: ca. 8 Minuten

📋 Worum geht es: Ich stelle Theorien vor, die auf den Untergang einer hochentwickelten Zivilisation am Ende der letzten Eiszeit hinweisen, u.a. mit Blick auf:

  • die etablierte Geschichte
  • ein mögliches Exctinction Event und die Vertreter dieser Theorie
  • Hinweise in antiken Mythen und in der Archäologie
  • Bedeutung für unsere Gesellschaft

300.000 Jahre Homo sapiens. 5.000 Jahre Zivilisation. 

Kommt das nur mir spanisch vor? Oder vielmehr sumerisch, denn schließlich sollen die alten Sumerer – umstrittenerweise – die ersten sein, die um 3.000 vor Christus ein Schriftsystem entwickelt haben. Damit gelten sie noch vor den Ägyptern als frühste anerkannte Hochkultur.

300.000 versus 5.000 Jahre seit heute. Dazwischen liegt eine Zeitspanne von 295.000 Jahren. Was ist in all dieser Zeit passiert? 

Haben unsere Vorfahren 295.000 Jahre lang Mammuts gejagt, Beeren gesammelt und ums Überleben gekämpft? Oder gab es verlorene Zivilisationen, die spurlos verschwunden sind – untergegangene Hochkulturen, die aus Gründen, die wir noch nicht verstehen, keine Spuren hinterlassen haben?

Die klassische Archäologie liefert auf diese Fragen eindeutige Antworten. Doch je tiefer man gräbt (im wahrsten Sinne des Wortes), desto mehr Anomalien tauchen auf. Rätselhafte Bauwerke, die nicht in die offizielle Timeline passen. Mythen, die zu ähnlich sind, um Zufall zu sein. Und Fragen, die niemand zu stellen wagt.

Die offizielle Geschichte kurz und knapp

Das etablierte Narrativ ist schnell erzählt: Die ersten Spuren des Homo sapiens finden sich vor 300.000 Jahren in Afrika. Vor 40.000 Jahren beginnt die kulturelle Revolution – Höhlenmalerei, Musik, komplexe Bestattungsriten. Der Homo sapiens lebt als Jäger und Sammler, während die zu dieser Zeit noch parallel existierenden Neandertaler und Denisova-Menschen verschwinden.

Vor 10.000 Jahren dann die neolithische Revolution: Ackerbau, Viehzucht, erste Dörfer. Die Menschheit wird sesshaft. Vor 5.000 Jahren folgt schließlich die Bronzezeit mit den ersten Stadtstaaten und – entscheidend – der Schrift. Damit beginnt das, was wir "Geschichte" nennen.

Ein ordentliches, lineares Bild. So haben wir es in der Schule gelernt. Aber was, wenn wichtige Puzzlestücke fehlen?

Der mögliche Reset: Die Jüngere Dryas

Mit diesem Abschnitt begeben wir uns auf dünnes Eis, wortwörtlich gesprochen. Denn vor der neolithischen Revolution vor 10.000 Jahren liegt eine Phase, die mehr Einfluss auf unsere Entwicklung genommen haben könnte, als wir glauben: die Jüngere Dryaszeit.

Aber was ist die Jüngere Dryas überhaupt? Vor etwa 12.900 Jahren, gerade als die letzte Eiszeit zu Ende ging und es richtig gemütlich zu werden schien, machte das Klima plötzlich eine 180-Grad-Wende. Innerhalb weniger Jahrzehnte kehrte eine eisige Kälte zurück. Diese "Mini-Eiszeit" dauerte etwa 1.300 Jahre und endete vor rund 11.700 Jahren ebenso abrupt, wie sie begonnen hatte. Sie markiert den Übergang von der erdgeschichtlichen Epoche des Pleistozäns zum bis heute anhaltenden Holozän.

Die Wissenschaft erklärt dieses Phänomen meist mit veränderten Meeresströmungen oder Vulkanausbrüchen. Eine ganz natürliche Phase, nichts Dramatisches. Doch einige Wissenschaftler wie Richard Firestone ⤤ oder Christopher Moore ⤤ sehen das anders. Sie gehen von einer globalen Katastrophe aus, die nicht nur das Klima durcheinandergebracht hat, sondern auch zum Aussterben der Megafauna führte. Auslöser: Kometen- oder Asteroideneinschläge, deren Rückstände sich in den Sedimentschichten nachweisen lassen.

Forscher wie Graham Hancock ⤤ oder Randall Carlson ⤤ gehen noch weiter: Was, wenn dieses Ereignis auch bereits existierende Hochkulturen ausgelöscht hätte? Verlorene Zivilisationen, die unsere Geschichte vergessen hat? Denn sie würde bedeuten, dass vor etwa 13.000 Jahren ein globaler Reset stattgefunden hat.

Zum Vergleich: Das Tunguska-Ereignis von 1908 ⤤, bei dem ein in der Atmosphäre zerbrechender Asteroid ein Waldgebiet von rund 2.000 Quadratkilometern in Sibirien vernichtete, setzte je nach Schätzung 3 bis 15 Megatonnen TNT frei. Die Sprengkraft der möglichen Einschläge der Younger Dryas Impact Hypothesis wird in extremen Szenarien auf etwa 10 Millionen Megatonnen geschätzt – mehr als 2 Millionen mal stärker als Tunguska (bei 5 Mt) und vergleichbar mit dem Chicxulub-Einschlag, der vor 66 Millionen Jahren zum Aussterben der Dinosaurier führte ⤤.

Oder war es womöglich die Sonne? Der Geologe Robert Schoch vertritt eine alternative Erklärung ⤤ für die klimatischen Umwälzungen der Jüngeren Dryas: gewaltige Sonneneruptionen.

Dass Sonneneruptionen mit ihren gewaltigen Plasma-Auswürfen massive Konsequenzen für das Leben auf der Erde haben können, ist keine Spekulationen. (Lies hier mehr zu historischen Sonnenstürmen.). Extreme Sonnenstürme passen laut Schoch zu den geologischen Befunden und würden auch erklären, warum keine Einschlagskrater gefunden wurden. Stell dir das vor: gewaltige Plasmastürme mit extremen Hitzewellen, die organisches Material verbrannten, Gletscher schmolzen, Meere und Seen verdampften – was wiederum zu sintflutartigen Regenfällen und steigenden Meeresspiegeln geführt hätte.

Beide Szenarien – Asteroideneinschläge oder aber gewaltige Sonneneruptionen – hätten die mögliche globale Katastrophe der Jüngeren Dryas auslösen können.

wolkenverhüllte, mystische Ruinen einer verlorenen Zivilisation

Mythen sind mehr als nur Märchen

Fast jede Kultur weltweit kennt Geschichten von einer großen Flut. Als erste berichteten die Sumerer u.a. im Gilgamesch-Epos vom Schiff des Utnapischtim und einer großen Flut. In der Bibel kennen wir es als Arche Noah und die Sintflut. Die Griechen erzählten die Geschichte von Deukalion. Die Hindu von Manu und Matsya. Die Maya von ihrer eigenen Sintflut-Version. Sogar die australischen Aborigines haben entsprechende Überlieferungen.

Zeitlich würden diese Mythen perfekt zum Ende der Jüngeren Dryas passen – dem Moment, als die Gletscher schmolzen und gewaltige Wassermassen freigesetzt wurden.

Verlorene Zivilisationen: Was ein Extinction Event in dieser Zeit bedeutet hätte

Ein globaler Kataklysmus dieser Größenordnung hätte nicht nur das Klima verändert. Er hätte ganze Zivilisationen ausgelöscht. Die Auswirkungen: Meeresspiegelanstieg, Tsunamis, Erdbeben, vulkanische Winter. Die meisten Städte und Siedlungen der damaligen Zeit lagen vermutlich in Küstennähe oder fruchtbaren Tälern, genau dort, wo die Zerstörung am verheerendsten gewesen wäre. Das erklärt, warum wir so wenige Spuren finden. Was nicht von den Wassermassen mitgerissen wurde, versank unter Sedimentschichten oder wurde von Vegetation überwuchert. Nach 12.000 Jahren ist von Holz, Stoff oder anderen organischen Materialien praktisch nichts mehr übrig.

Vergessene Geschichte: Die Überlebenden und die Götter

Doch was ist mit den Überlebenden? Graham Hancock stellt eine spannende These auf: Diejenigen, die das Ereignis überlebt haben, besaßen noch das Wissen der untergegangenen Zivilisation. Sie mischten sich unter die einfachen Jäger und Sammler, die besser an ein Leben in der Wildnis angepasst waren, und begannen, Schritt für Schritt eine neue Kultur aufzubauen.

Das würde erklären, warum in fast allen Kulturen Geschichten von "Göttern" oder "Sieben Weisen" existieren, die über das Meer kamen oder vor einer Flut warnten und den Menschen Ackerbau, Schrift und Zivilisation brachten. Die mesopotamischen Apkallu (Sieben Weise), der mesopotamische Enki/Ea, der indische Vishnu (Matsya), der ägyptische Thot, der griechische Prometheus und andere – sie alle gelten für die Menschen als Zivilisationsbringer.

Und dann ist da noch die Figur des Quetzalcoatl der Tolteken und Azteken (Kukulkan bei den Maya). In Erzählungen wird er, neben seiner Schlangengestalt, auch als "bärtiger, hellhäutiger Mann" dargestellt, der über das Meer nach Mexiko gefahren sein soll und den Menschen fortgeschrittene mathematische und kalendarische Kenntnisse brachte.

Waren das vielleicht gar keine Götter, sondern Überlebende einer untergegangenen Welt?

Atlantis: Mythos oder Erinnerung?

Der wohl berühmteste aller untergegangenen Kontinente darf hier nicht fehlen: Atlantis. Das, was wir über Atlantis zu wissen glauben, stammt aus einer einzigen Quelle: Platon.

Aber was erzählte der gute Platon uns eigentlich? Er beschreibt eine hochentwickelte Inselzivilisation, die vor etwa 9.000 Jahren existiert haben soll (d.h. vor rund 11.500 Jahren aus unserer Sicht). Nach Platon soll diese Geschichte vom athenischen Staatsmann Solon stammen, der sie von ägyptischen Priestern erfahren hatte.

(Achtung, Spoiler! Leser meines Urban-Fantasy-Romans Der Pakt von Babylon dürfen an dieser Stelle aufhorchen. Ob ich den Namen meines Protagonisten Solon rein zufällig ausgewählt habe? Wer weiß ...)

Die Standard-Interpretation: Platon hat sich das alles ausgedacht. Eine philosophische Lehrstunde, nicht mehr.

Doch was, wenn Platon in Wahrheit eine Überlieferung verarbeitet hat? Schauen wir uns die Zeitangabe an: vor etwa 11.500 Jahren. Das ist verdächtig nah am Ende der Jüngeren Dryas. Rainer Zufall? ツ

Graham Hancock sieht in Atlantis nicht die Beschreibung einer konkreten Insel, sondern ein Symbol für eine ganze Epoche – eine Zeit vor dem großen Reset, als möglicherweise mehrere vergessene Hochkulturen rund um den Globus existierten.

Märchenhafte Ruinen und Säulen einer unetrgegangenen Kultur unter Wasser, Lichtreflexe und Fische

Die rätselhaften Zeugen

Rund um den Globus finden sich archäologische Anomalien, die nicht in das ordentliche Bild der linearen menschlichen Entwicklung passen wollen.

Göbekli Tepe, Türkei: Eine monumentale Tempelanlage mit kunstvoll behauenen Steinpfeilern von bis zu 5,50 Meter Höhe. Etwa 11.500 Jahre alt – älter als Stonehenge und die Pyramiden. Das Problem: Laut etablierter Geschichtsschreibung lebten damals nur nomadische Jäger und Sammler in dieser Region. Woher hatten sie die Kenntnisse der Steinbearbeitung? Wie organisierten sie Hunderte von Arbeitern? Und warum wurde Göbekli Tepe vor 8.000 Jahren absichtlich mit Erde zugeschüttet – als wollte jemand es verstecken?

Das Alter der Sphinx: Die berühmte Sphinx soll um 2500 v. Chr. erbaut worden sein. Doch der amerikanische Geologe Robert Schoch untersuchte die Erosionsmuster ⤤ und kam zu dem Schluss: Die Erosionsspuren stammen von intensiven Regenfällen. Die letzte Zeit mit ausreichend Regen in der Sahara liegt 7.000 bis 12.000 Jahre zurück. Die Reaktion der Ägyptologen war extrem (zu krass für eine wissenschaftliche Diskussion, die man hätte erwarten dürfen).

Gunung Padang, Indonesien: Eine terrassenförmige Struktur, die nach Bodenradar-Messungen eine massive Pyramide verbirgt. Der indonesische Geologe Danny Hilman Natawidjaja datiert ⤤ die ältesten Schichten auf bis zu 27.000 Jahre. Die Archäologie wehrt sich vehement, aber die Struktur zeigt eindeutig Anzeichen menschlicher Bearbeitung.

Das große Muster

Diese Beispiele sind nur eine kleine Auswahl. Weitere Anomalien finden sich weltweit. Sie alle deuten auf verlorene Zivilisationen oder Technologien hin: die megalithischen Tempelanlagen von Malta, die 800-Tonnen-Blöcke von Baalbek, die unterirdische Stadt Derinkuyu, die rätselhaften Erdställe Europas.

Warum gibt es auf allen Kontinenten Pyramiden? Warum finden sich megalithische Bauten von Stonehenge bis zu den Osterinseln? Und warum kennen praktisch alle Kulturen weltweit Sintflut-Mythen?

Die klassische Wissenschaft sagt: Universelle menschliche Erfahrungen, praktische Notwendigkeiten, psychologische Konstanten, kulturelle Konvergenz. Soll heißen: Menschen erzählen verwandte Geschichten oder benutzen ähnliche Symbole, weil sie überall mit grundlegenden Naturphänomenen konfrontiert werden. Sie bauen möglichst stabil und orientieren sich an Sonne, Mond und Sternen. Ähnliche Umweltbedingungen führen zu ähnlichen Lösungen. Sie denken in Archetypen. Menschen sind gereist, haben Ideen ausgetauscht.

Die unbequeme Alternative: Was, wenn diese Ähnlichkeiten auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen? In eine Zeit, als die Welt vernetzter war, als wir uns vorstellen können? Das schließt die klassischen Erklärungen nicht aus, sondern bettet sie in einen größeren Kontext.

Fazit: Warum das so bedrohlich ist

Warum wird so vehement gegen diese Theorien angekämpft? Warum werden Forscher ausgegrenzt und diffamiert, Ausgrabungen behindert oder Studien zurückgezogen? Die Vorstellung, dass bereits einmal hochentwickelte Zivilisationen existiert haben könnten, die dennoch untergegangen sind, ist für viele zutiefst verstörend. Unser lineares Fortschrittsdenken macht uns zu den Gewinnern der Evolution. Es stützt ein bestimmtes Weltbild, preist unsere Errungenschaften und hat feste Gesellschaftsbilder und Herrschaftsstrukturen etabliert. Geraten diese ins Wanken, droht der Verlust von Macht, Kontrolle und Status.

Fast jeder spürt es: Unsere moderne Gesellschaft steht derzeit an einem Scheideweg. Wachsende Konflikte, Kontroversen und Spaltung dominieren die Nachrichten. Alte Strukturen wanken, ein verzweifelter Kampf um die Deutungshoheit tobt, der Meinungskorridor wird immer weiter verengt. Wer genau hinschaut, sieht es: Autoritäre Tendenzen breiten sich aus, die uns in unserer Freiheit und unserem eigenständigen Denken einschränken. Doch gleichzeitig findet in einigen Forschungsbereichen ein langsames Umdenken statt – dank mutiger Forscher, die Pioniere auf ihrem Gebiet sind.

Was würde geschehen, wenn in diesem Spannungsfeld unwiderlegbare Beweise für eine untergegangene, möglicherweise technologisch hochentwickelte Zivilisation gefunden würden?

Das zu beantworten, überlasse ich anderen.

Aber vielleicht ist gerade die Wahrheit über unsere Vergangenheit der Weg, der uns in eine positivere Zukunft lenken kann.


Hinweis zu den Abbildungen: Die verwendeten Bilder sind mit KI erstellt (Midjourney AI), sofern am Bild nicht explizit anders gekennzeichnet.


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