Die Wewelsburg: Himmlers SS-Kultstätte und das Rätsel der Schwarzen Sonne
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Burgen und Schlösser sind Zeugen vergangener Größe und vergessener Vorfahren. Ihr Anblick weckt Gefühle in uns, die wir nicht klar benennen können: Staunen, Ehrfurcht, Schauer und Romantik, von allem ist etwas dabei.
Die Wewelsburg bei Paderborn ist eine dieser verwunschenen Burgen – mit einer besonders düsteren Geschichte. Heinrich Himmler machte sie in der NS-Zeit zur okkulten SS-Kultstätte. Im Zentrum steht die geheimnisvolle Schwarze Sonne, ein Symbol, das bis heute Rätsel aufgibt.
Inhalt
1. Ein Schloss mit Ecken und Kanten
2. Wewelsburg zur NS-Zeit: Vom Fürstensitz zur SS-Kultstätte
3. Himmlers Umbau der Wewelsburg: KZ Niederhagen
4. Die "Schwarze Sonne" – eines der größten Geheimnisse der Wewelsburg
6. Das Ende einer (Alb-)Traumburg
Ein Schloss mit Ecken und Kanten
Die Wewelsburg⤤ gehört zu den wenigen Dreiecksschlössern in Deutschland. Zwischen 1603 und 1609 als Nebenresidenz der Fürstbischöfe von Paderborn erbaut, war sie von Anfang an ein Hingucker: dreieckig, trutzig, schmuck und vielleicht ein klein wenig pompös.
Wewelsburg zur NS-Zeit: Vom Fürstensitz zur SS-Kultstätte
Wir machen einen Zeitsprung ins Jahr 1934. Die Wewelsburg hat inzwischen einiges erlebt, aber nichts hätte sie auf ihren nächsten Mieter vorbereiten können: Heinrich Himmler, seines Zeichens Reichsführer-SS und selbsternannter Hobbyhistoriker mit einer Vorliebe fürs Okkulte.
Himmler dachte sich: »Warum nicht aus dieser alten Burg das spirituelle Zentrum meiner SS machen?« Die Idee passte ins Bild: Himmler war tief in die germanische Mythologie verstrickt und in alles, was nach Geheimwissen klang.
Himmlers Umbau der Wewelsburg: KZ Niederhagen
Himmlers Pläne für die Wewelsburg waren alles andere als bescheiden. Er träumte von einer Art "Gralsburg", einem spirituellen Zentrum für seine SS-Elite⤤. Aber statt edler Ritter in schimmernden Rüstungen sollten hier SS-Offiziere in schwarzen Uniformen ein- und ausgehen.
Doch der Umbau hatte einen grausamen Preis: 1941 wurde eigens das KZ Niederhagen eingerichtet, um Arbeitskräfte für die Umgestaltung bereitzustellen. Schätzungsweise 1.285 Menschen verloren hier ihr Leben, eine düstere Erinnerung daran, auf welchem Fundament Himmlers Fantasien errichtet wurden.
Die "Schwarze Sonne" – eines der größten Geheimnisse der Wewelsburg
Im Nordturm befindet sich der berühmt-berüchtigte Obergruppenführersaal. Hier prangt im Boden ein Mosaik, das aussieht, als hätte jemand einen Handkreisel mit einem Hakenkreuz gekreuzt: die "Schwarze Sonne⤤".
Dieses Symbol taucht weder in der traditionellen Runenkunde noch in der bekannten Nazi-Symbolik auf. Es ist quasi der Joker unter den okkulten Symbolen: Niemand weiß so recht, was es bedeutet, aber alle finden es irgendwie unheimlich. Seinen Namen erhielt es erst in Nachkriegszeiten und wurde zu einem Erkennungssymbol der rechtsextremen Szene.⤤
Himmlers okkulte Obsessionen
Himmler, bekannt für sein Interesse an germanischer Mythologie und okkulten Themen, sah in der Wewelsburg ein Zentrum für die ideologische Schulung seiner SS-Führer. Die genauen Inhalte dieser Schulungen sind nicht vollständig überliefert; sie folgten Himmlers persönlichen Obsessionen ebenso wie der NS-Ideologie.
Obwohl vieles im Bereich der Spekulation bleibt, ranken sich einige faszinierende Theorien um Himmlers Pläne für die Burg:
Die dreieckige Form des Schlosses wird manchmal als Anspielung auf die "Heilige Lanze", eine der Reichskleinodien aus der Zeit des Heiligen Römischen Reiches, gedeutet, und damit als Verweis auf eine tiefere mythologische Bedeutung, die Himmler der Burg zuschrieb.
Karl Maria Wiligut⤤, SS-Brigadeführer und Himmlers persönlicher Okkultberater, der unter dem Pseudonym "Weisthor" operierte, soll die geografische Lage der Wewelsburg für besonders günstig gehalten haben. Wiligut war an der symbolischen Ausgestaltung der SS eng beteiligt und gilt als einer der einflussreichsten, wenn auch obskursten Hintergrundfiguren des NS-Okkultismus.
Besonders die Untergeschosse des Nordturms sind Gegenstand von Spekulationen. Es wird gemunkelt, dass dort okkulte Rituale stattfanden.
Die Aussagen sind umstritten, aber sie zeigen, wie sehr Himmlers okkulte Obsessionen und seine Pläne für die Wewelsburg die Fantasie der Menschen auch heute noch anregen. Und wer weiß – vielleicht verbirgt das alte Gemäuer ja doch noch das eine oder andere Geheimnis.
Man stelle sich vor: Während der Rest der Welt im Krieg versank, träumte Himmler hier möglicherweise von der Suche nach dem Heiligen Gral und versuchte, Verbindungen zum Übernatürlichen herzustellen. Vielleicht hoffte er auf übersinnliche Unterstützung für den "Endsieg"?
Wie dem auch sei, die Geheimnisse der Wewelsburg faszinieren Historiker und Mysteryfans bis heute.
Das Ende einer (Alb-)Traumburg
Als sich 1945 alliierte Truppen näherten, entschied Himmler, Teile der Burg sprengen zu lassen. Die Wewelsburg überlebte, beschädigt, aber nicht vernichtet. Ein drastischer Abschied.
Von der Schreckensherrschaft zum Mahnmal
Heute ist die Wewelsburg ein Ort der Erinnerung und Mahnung. Seit 1982 beherbergt sie das Kreismuseum Wewelsburg, und 2010 wurde eine Dauerausstellung eröffnet, die kritisch die NS-Vergangenheit der Burg aufarbeitet. Im Westflügel ist außerdem eine Jugendherberge untergebracht.
Fazit: Wenn die Realität die Fiktion übertrifft
Die Geschichte der Wewelsburg könnte den Plot für einen neuen Mystery-Roman liefern. Sie zeigt, wie eine extremistische Ideologie sich mit Elementen des Übersinnlichen und Mythischen verbinden kann. Das ist eine gefährliche Mischung, die auch heute noch Kreise zieht.
Die Vermischung von Legenden und historischen Fakten macht die Wewelsburg für mich als Autorin so faszinierend. Einige Ereignisse meines Romans Zeitläufer: Der Verborgene Raum spielen im Jahr 1944 und greifen die Idee von unterirdischen Räumen, okkulten Nazi-Ritualen, dunklen Mächten, die nach geheimem Wissen streben, sowie die Verbindung zu Himmlers Forschungsgemeinschaft "Ahnenerbe" auf.
Was ich mich frage: Muss man alles, was auf okkulte Praktiken hinweist, ins Lächerliche ziehen? Kann man sich nicht kritisch damit auseinandersetzen, ohne die Menschen, die sich dafür interessieren, gleich in eine bestimmte Ecke zu schieben? Ich finde, die Wewelsburg verdient beides: die historische Schwere und die Bereitschaft, unbequemen Fragen nachzugehen.
Wer weiß, welche Geschichten die Geheimnisse der Wewelsburg in Zukunft noch inspirieren mögen.
Buchempfehlung zum Thema: Nicholas Goodrick-Clarke, The Occult Roots of Nazism (NYU Press)
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